Ghoul
Ich hocke seit fast dreizehn Stunden in diesem Büro und bin angepisst. Hauptsächlich weil ich seit drei Stunden Zuhause sein könnte um mich mit wirklich wichtigen Dingen wie Raufasertapete anstarren, im Kreis laufen oder Cola durch die Nase trinken zu beschäftigen. Aber nein, ich bin im Büro. Alleine. Weil die eigentliche Spätschicht mal wieder krank ist und ich keine Lust hatte meinem Chef die einzig richtige Antwort, auf die Frage, ob ich nicht heute länger machen könnte, ganz trocken vor den Latz zu knallen. Die einzig richtige Antwort wäre nämlich "Am Arsch!" gewesen. Schade.

Natürlich muss ich heute den einzigen Tag erwischen, an dem selbst in der Spätschicht noch Bullshit-Bingo der allerherrlichsten Sorte angesagt ist. Ich hasse es ja ohnehin schon, wenn ich im mexikanischen Helpdesk anrufen muss, weil unsere SAP-Admins alle nicht mehr da sind. Wenn nun aber irgendwer die Rufumleitung in eben jenen Helpdesk geschrotet hat, krieg ich völlig die Motten. Naja, denkt man sich, rufste halt mal nicht über die blöde Umleitung an, sondern direkt in deren SAP-Bude. Der Vogel da spricht ja sogar Deutsch. Zwei Mausklicks - eine etwa fünfundzwanzigstellige Telefonnummer erscheint im Display. Tuuuut.... *krrz* eine Art Werbejingle auf Spanisch begrüßt mich. "Press two for english" - ich drücke die zwei. *krrz* eine Art Werbejingle auf einer mir unbekannten Art Englisch begrüßt mich - und bricht mittendrin ab. *krrz* Stille. Der in unsere Telefonanlage eingebaute Gebührenzähler springt auf 6,52€. *krrz* Eine Frauenstimme die nicht nur eine Sprache spricht, die ich nicht verstehe, sondern auch noch dermaßen dumpf durch den Hörer kommt dass ich mit Müh und Not gerade noch so ausmachen kann dass da ein Mensch am anderen Ende ist, brüllt mir ins Ohr. Mein Hals schwillt leicht an, als ich merke, dass die mir tatsächlich einen Operator vor den Latz knallen. Ich sage mit zusammengebissenen Zähnen mein Sprüchlein und warte. "Yes, one momento, Misterr." *krrz* Eine weitere Frauenstimme begrüßt mich, ich sage mein Sprüchlein, sage mein Sprüchlein, sage nochmal mein Sprüchlein ganz langsam und deutlich, bin kurz davor den ganzen verdammten Satz zu Buchstabieren - "Yes, one moment.". Grr. *krrz* Ich lande im Helpdesk. Schön. Wollte ich nicht, aber was solls, immerhin bin ich meinem Ziel "SAP-Admin" etwas näher. Diesmal habe ich eine Frau am anderen Ende, die keine Ahnung hat was ich möchte. Sie leitet mich weiter. Der Gebühren-Zähler hat die 10€-Marke passiert, mein Kopf die Tischkante und meine Nerven den Abgrund. Immerhin scheine ich nach der gefühlten dreiundvierzigsten Weiterleitung endlich jemanden dran zu haben, der weiß was ich möchte, Englisch spricht und die nötigen Zugriffsrechte hat um das was ich möchte auch durchzuführen. Zumindest so halb. Ich traue mich fast gar nicht zu fragen, ob er möglicherweise auch das Passwort zurücksetzen kann. Dummerweise tue ich es aber doch. "No, sorry." *klick* - Aufgelegt.

Ich versuche die Einrichtung heil zu lassen, rede mir ein, dass ich ja durchaus ein Stück weiter bin und rufe den Anwender an. "Sie können sich jetzt wieder einloggen. Wenn Sie ihr Kennwort noch wissen." - natürlich weiß er das Kennwort nicht. "Bleiben se mal dran, ich probier mal ein paar. Ich hab ja nicht viele, eins muss ja gehen." Ich verharre regungslos am Telefon, weil ich weiß, dass ich den ganzen Mist gleich nochmal machen darf. Nachdem ich den drei erfolglosen Versuchen sich an das Kennwort zu erinnern gelauscht habe und die Accountsperre wieder reingesprungen ist, lege ich auf, und mache den ganzen im vorherigen Absatz beschriebenen Rotz nochmal. Jeden einzelnen Schritt. Nur mit anderen Personen, in der Hoffnung irgendwann vielleicht dochmal jemanden an die Strippe zu kriegen, der Passwörter zurücksetzen darf. Ohne Erfolg. Man bittet mich um eine kurze Mail, und versucht mir die Adresse zu Buchstabieren. Nach fünf erfolglosen Versuchen ziehe ich mir den Namen, den ich geglaubt habe zu Verstehen aus dem Telefonverzeichnis und hämmer den Hörer auf die Gabel. Eigentlich kann ich das nicht, weil ich ein Headset trage, und den Hörer, bevor ich ihn auf die Gabel hämmern kann erstmal von selbiger runternehmen muss, aber das war es wert. Ich schreibe also zähneknirschend eine freundliche Mail, setze den Anweder in Kopie und warte. Keine fünf Minuten später kommt eine Mail zurück mit genau einem Wort drin: "Done". Gottverdammt nochmal. Und glaubt mir, das war bei weitem nicht die einzige Scheiße dieser Art, die mir heute passiert ist.

Glücklicherweise hab ich jetzt Feierabend, weil mich dieser hippe Job-Blog fast eine Stunde gekostet hat. Ich geh mich dann mal vergraben.

Gesamtsituation: saugt
heutiger Ohrwurm: Gorerotted - Cut Gut Beaten Eaten

Hassliste
- Baustellenampeln
- Mexikanische Operators
- Blumfeld
- Überstunden
6.12.07 20:02


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